Wechselmodell als Sparmodell auf Kosten der Kinder ?

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Das Wechselmodell ist ein aktuelles Thema mit dem sich interessanterweise meist die Väter beschäftigen. (Dabei sind nicht pauschal alle Väter gemeint)

Oft ist es immer noch so, dass Frauen die das gemeinsame Kind bei sich wohnen haben, dem Vater Umgang gewähren und das gemeinsame Kind dann beim Vater die Wochenenden verbringt oder auch in der Woche etwas mit ihm unternimmt. Das funktioniert meist mehr oder weniger gut. Es gibt da die unterschiedlichsten Konstellationen. Manche Eltern praktizieren das „Wechselmodell“ d.h. Das gemeinsame Kind wechselt im Rhythmus regelmäßig den Haushalt und hat somit zwei Wohnsitze. Einmal bei seiner Mutter, einmal bei seinem Vater.

Nun gibt es einige Väter, die haben das Wechselmodell für sich entdeckt. Nicht weil es sich nach der Trennung im Laufe der Zeit so ergeben hat mittels gütlicher Einigung, sondern diese Väter wollen mittels Wechselmodell schlichtweg Geld sparen.
So lautet auch deren Argumentation meist, dass die Frau beim Wechselmodell arbeiten gehen könnten und der Vater dann keinen Unterhalt mehr zahlen müsse. Dieses Väter-Spar-Modell klingt für Väter oberflächlich gesehen sinnvoll. Was ein erzwungenes Wechselmodell, welches eine Frau und Mutter in Arbeit zwingt, allerdings für Folgen für das Kind hat, scheinen diese Väter nicht zu bedenken.

Wenn man manche Lesermeinungen von Vätern in Zeitungen oder Foren liest, fragt man sich, ob sie bedacht haben, dass bei ihrem Sparmodell (Wechselmodell) dass Kind häufig auf der Strecke bleibt wenn die Mutter dadurch gezwungen wird arbeiten zu gehen. Hier geht es nicht um Mütter, die sowieso arbeiten oder wieder Arbeit suchen und diese auch finden. Hier geht es um Mütter, die sich bewusst mit ihrem damaligen Partner dafür entschieden haben die gemeinsamen Kinder groß zu ziehen und nicht zu arbeiten. Und um Mütter, die nach der Trennung vom Partner keine neue Arbeitsstelle mehr finden.
Denken die Befürworter des „Sparmodells“ mal jemand an die Kinder, die beim Wechsel-Spar-Modell schon früh in Kindergärten abgeschoben werden und Bindungsstörungen bekommen? Kinder brauchen in den ersten wichtigen Lebensjahren ihre Mutter, um später gestärkte Persönlichkeiten mit Urvertrauen zu werden. Zu diesem Thema gibt es genügend wissenschaftliche Belege und Studien.

Warum manche Väer die Mütter in Arbeit zwingen wollen, damit dann fremde Personen die eigenen Kinder groß ziehen und deren Ideologie in sie einpflanzen, ist mir schleierhaft. Wer bemängelt dass der Staat uns zu sehr kontrolliert und manipuliert der sollte mal überlegen das die Kindergärten vom Staat kontrolliert werden und es durch Programme wie z. b. „frühe Hilfen “ in Rheinland Pfalz (in anderen Städten heist das anders) den Zugriff und die Kontrolle über die Erziehung ihrer Kinder und damit auch das freie Denken der Eltern möglich gemacht wird. Ich würde lieber einer Mutter den Unterhalt bezahlen damit sie mein Kind selber erzieht und es nicht den überwachten m.e. infiltrierten Kindergärten anvertraut. Dazu müsste man m.e. aber das Wohl des Kindes im Blick haben und nicht Rachegelüste an der Mutter seiner Kinder ausleben oder sich ungerecht behandelt fühlen falls man Unterhalt ans Kind zahlen muss.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass viele Männer es genossen haben, dass die Frau zuhause blieb, dem Mann den Rücken frei hielt und sich damit ins berufliche Aus geschossen hat. Wer will denn wirklich glauben, dass Frauen die noch Kinder zu versorgen haben, und wegen Krankheit derer, einen Mehranspruch auf Urlaubstage haben, Frauen die Jahre aus ihrem Beruf raus sind und damit als ungelernt auf dem Arbeitsmarkt gelten, Frauen die zu alt sind, um gegen junge gut gebildete Studenten am Arbeitsmarkt zu konkurrieren…wer will glauben, dass diese Frauen mal eben Arbeit finden damit die Unterhaltspflicht des Mannes weg fällt. Das ist doch am realen Leben vorbei gedacht und zeugt m.e. von Ignoranz oder einfach nur Dummheit. Männer, die den Frauen verlangen, sie sollen ihre Kinder in Fremdbetreuung geben und arbeiten gehen, die sollten anstatt sich durch Wechselmodelle durchzulesen mal mit dem Arbeitsmarkt und der Soziologie von Frauen im Beruf beschäftigen. Dann würden viele Diskusionen um die Arbeitssuche von Frauen schnell beendet. Ich würde es nicht wollen, dass mein Kind außerhalb bekocht wird von Großküchen mit m.e. ungesundem Kantinen- Essen. Ich würde nicht wollen, dass meine Kinder, von einer abgehetzten Mama aus dem Kindergarten abgeholt werden, die gerade so es geschafft hat pünktlich Feierabend zu machen. Ich würde es nicht wollen, dass meine Kinder nach dem Kindergarten oder Schule von einer gestressten Mutter versorgt werden, die keine Zeit für Schularbeiten, Kuscheleinheiten, Freizeitaktivitäten mit meinen Kindern hat weil sie nach der Arbeit erst mal den ganzen Haushalt aufarbeiten muss. Wäsche waschen, putzen, Abendessen kochen, Einkaufen, Behördenpapierkram erledigen. Das erledigt sich nämlich nicht von selber. Auch nicht beim Wechselmodell.

Aus eigener Erfahrung weis ich, dass der Gedanke, dass eine ungehetzte Mama zuhause ist wenn ich von der Schule komme, eine nicht zu ersetzende Erfahrung ist , die ich als Kind machen durfte. Von anderen Bekannten und Freunden meiner Generation weis ich, dass es ihnen genauso geht. Heimeligkeit und Familie kann keine Fremdbetreuung mit „Fachkräften“ ersetzen. Ich würde meinen Kindern das gönnen, wenn ihre Mutter sich dafür entscheidet unser Kind selber, fern von stressigen Fremdbetreuungssystem ( welches meist zwangsläufig bei Arbeitsaufnahme nötig ist) zu erziehen. Das manche Väter so egoistisch denken und nur ihren eigenen geldwerten Vorteil sehen, aber die Nachteile für ihr Kind ausblenden, halte ich für sehr bedenklich.

 

Aufgrund einiger Zuschriften möchte ich noch einmal betonen, dass in dem Artikel nicht pauschal alle Väter gemeint sind.

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