Was bringt ein erzwungenes Wechselmodell ?

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Wäre ein gesetzlich verordnetes Wechselmodell ein zahnloser Tiger ?

Manchen Eltern ist es ein Anliegen, dass Wechselmodell als Pflicht, im Gesetz verankert zu sehen. Manche Eltern erhoffen sich, dass sie durch ein gesetzlich angeordnetes Wechselmodell, einen umgangsverhindernden Elternteil in seine Schranken verweisen können.

Bedenken sollte man dabei allerdings, dass ein Wechselmodell, falls es ein Gericht per Beschluss anordnet, auch durchsetzbar sein müsste.

Ein Beschluss für ein Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils ist m. e. nicht das Allheilmittel welches entfremdete Eltern sich erhoffen.

Mit einem Beschluss wedeln funktioniert ja schon beim verordneten Umgang oft nicht. Unzählige Eltern halten mit ihren Umgangsbeschluss ein Stück Makulatur in der Hand. Umgänge haben sie trotz Umgangsbeschluss wenig oder gar nicht. Bußgeldverfahren wegen Umgangsboykott laufen oft ins Leere oder werden manchmal über Wochen und Monate verschleppt, bis sie verhandelt werden. Mit einem Beschluss für ein Wechselmodell verhält es sich m. e. nicht anders.

Das Problem durch entfremdende Eltern wird m. e. damit nicht bekämpft. Wer entfremden will wird auch bei verordnetem Wechselmodell vermutlich mit allen Mitteln dafür kämpfen, dass das Wechselmodell nicht durchsetzbar ist, zum „Schutz des Kindes“. Da wird m e. die Helferlobby dem entfremdenen Elternteil, wie in vielen Fällen bisher auch, zuarbeiten. Dann heist es eben, das Wechselmodell kann nicht durchgesetzt werden weil das Kind nicht will und-oder dadurch psychisch belastet wird. Wie gehabt wird dies, wie bereits in vielen Fällen beim Umgang, ein Gutachter und-oder Jugendamtmitarbeiter, Verfahrensbeistand bestätigen und schon können sich die Eltern ihren WM-Beschluss ins Klo hängen neben ihren nutzlosen Umgangsbeschluss.

Fraglich ist, wie das Wechselmodellin der Praxis durchgesetzt werden soll wenn der entfremdende Elternteil sich nicht an den Beschluss über das Wechselmodell hält.

Bei all der Hochstimmung, die ein gesetzlich verankertes Wechselmodell bei den Befürwortern auslöst, wird vergessen die praktikable Umsetzung zu beleuchten. Diese wird wahrscheinlich wie gehabt vor dem Familiengericht enden, wenn ein Elternteil sich bei der Umsetzung des Beschlusses querstellt.

Was will ein Elternteil machen, wenn der andere Elternteil den Beschluss zum Wechselmodell gnoriert und das gemeinsame Kind nicht heraus gibt?
Dann verliert der entfremdende Elternteil eben das Sorgerecht für sein Kind, möchte man dann meinen. Tatsache ist, dass es diese Möglichkeit schon gibt im Falle von Umgangsboykott. Die Praxis zeigt allerdings, dass ein Sorgerechtsentzug in den seltensten Fällen vom Gericht beschlossen wird. Auch wird das Kind in den seltensten Fällen zum nicht entfremdenden Elternteil gegeben wird. Das ist die Realität.

Fraglich ist, wie die Befürworter eines gesetzlich verankerten Wechselmodells darauf kommen, dass diese Praxis sich ändern würde. Denn sie orientiert sich an der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht welches schon in Urteilen klargestellt hat, dass auch ein beeinflusster Kindeswille beachtet wird in dem Sinne, dass man das Kind beim Entfremder lässt, um es nicht noch mehr zu belasten. Sein Wille wir zwar als beeinflusst erkannt, aber eine Trennung vom Entfremder wird als noch schwerwiegender für die Psyche des Kindes angesehen.
Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil klargemacht, dass beeinflusste Kinder beim Entfremder bleiben sollen und nicht zu Umgängen mit dem entfremdeten Elternteil gezwungen werden können und sollen.

Vermutlich wird diese Rechtsprechung auch beim Wechelmodell angewandt. Da auch hier das Kindeswohl und der Kindeswille im Vordergrund steht. Somit wäre auch das Wechselmodell nicht gegen den Kindeswillen durchsetzbar. Ein Elternteil der also das Kind manipuliert und unter Druck setzt, wie es häufig schon beim Umgangsboykott der Fall ist, wird sein Kind wahrscheinlich genauso unter Druck setzen, dass es das Wechselmodell als negativ empfindet.

Ich bezweifle, dass das Bundesverfassungsgericht beim Wechselmodell widersprüchlich zu seinen eigenen Urteilen, in Zukunft anderslautende Entscheidungen treffen wird. Sprich, ein Kind welches unter Druck keinen Umgang haben möchte, kann nicht gezwungen werden. Demnach wird ein Kind welches unter Druck kein Wechselmodell leben möchte, wahrscheinlich rechtlich auch nicht zum Wechselmodell gezwungen werden.

Die Gesetze, ein Kind beim anderen Elternteil aus der Wohhung zu holen werden sich schließlich nicht wegen des Wechselmodell ändern. Eltern müssten weiterhin ihre Kinder im äußersten Fall mit Gerichtsbeschluss und Gerichtsvollzieher aus der Wohung des anderen Elternteils holen. Dies würde das Kind psychisch belasten. Das Problem ist bereits aus Umgangsboykottverfahren zur Genüge bekannt. Woher nehmen die Befürworter des gesetzlich verankerten Wechselmodell die Gewissheit, dass hier keine brachiale Gewalt nötig wäre uneinsichtige Eltern zur Einhaltung des Beschlusses zu zwingen ? Es scheitert doch schon seit Jahren beim Umgangsboykott. Wie auch bereits beim Umgangsboykott werden die Gerichte m .e. Auf das Kindeswohl abstellen und solche Maßnahmen nicht gutheissen. Im Zweifelsfalle wird evtl. derjenige der das Wechselmodell mit allen Mitteln durchsetzen will, genau wie schon beim Umgangsboykott in vielen Fällen üblich, gänzlich ausgegrenzt.

 

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